Bildkritik von Robert Kneschke

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"Ein Frauenportrait in Schwarz-Weiß. Die Frau schaut zur Seite. Es ist nichts zu sehen außer ihrem Gesicht und etwas nackter Schulter. Da konzentrieren sich die Augen automatisch auf den Blick. Was ist dabei zu erkennen? Ein Blick, der irgendwo zwischen Trauer, Langeweile und tiefen Gedanken liegt. So ganz gefühlvoll, wie der Fotograf das Bild kommentiert, sieht es für mich nicht aus. Die sehr weiche Ausleuchtung des Portraits ist gelungen und schmeichelt der ohnehin reinen Haut. Nur der kleine Schatten unter dem Kinn irritiert etwas, da das Rest des Bildes schattenfrei ist. Ich hätte ihn leicht aufgehellt, aber das ist Geschmackssache. Auch die Haare und das Muttermal oben rechts lenken etwas vom Gesicht ab.

Eine Möglichkeit wäre, das Bild enger zu beschneiden, wie ich es hier mal als Beispiel zeige. So sind sowohl Schatten als auch Haare verschwunden. Der annähernd Goldene Schnitt des Ausgangsbildes, der dafür sorgt, dass das Foto trotz der überwiegend weißen, leeren Fläche harmonisch wirkt, bleibt sogar erhalten. In der quadratischen Variante wird jedoch noch ein weiterer kleiner Kritikpunkt besser sichtbar: Die Wimpern. Zum einen sind die hinteren Wimpern schon unscharf. Diese Tiefenunschärfe hätte bei gleich bleibender Belichtung mit einer Kombination aus 1/50 Sekunde Belichtungszeit und Blende 10 etwas reduziert werden können. Schon vor der Aufnahme wäre empfehlenswert gewesen, die Wimpern mit einem Wimpernkamm gleichmäßiger auszurichten.
Das Foto scheint ja eine Beauty-Aufnahme sein zu wollen und kein Schnappschuss, der die ungeschminkte Realität zeigt.
Sehr schön gelungen finde ich jedoch den Lidschatten, dessen auslaufender Schwung am Augenrand dem ansonsten eher schlichten Bild eine zusätzliche Dynamik verleiht."

Sehr schön gelungen finde ich jedoch den Lidschatten, dessen auslaufender Schwung am Augenrand dem ansonsten eher schlichten Bild eine zusätzliche Dynamik verleiht."

Die gesamte Kritik mit Kommentaren hier

"Jeder weiß, daß die Marke der Schreibmaschine nichts mit der Fähigkeit zu tun hat, einen fesselnden Roman zu erschaffen, obwohl eine bessere Schreibmaschine das Tippen etwas angenehmer macht. Also warum glauben so viele anderweitig vernünftige Menschen, daß die Kamera, oder genaue Kenntnis über Verschlußzeiten, Objektivbau oder Kameratechnik irgendwas mit der Fähigkeit zu tun hat, ein interessantes Foto zu schaffen, und nicht damit, die Bequemlichkeit des Fotografen zu verbessern?“

Ken Rockwell

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