Bildkritik von Mark Piontek

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Die Aufnahme entstand mit einer Sony NEX-3 mit 55mm Objektiv, einer Belichtungszeit von 1/25s bei Blende f 1/5.6 und ISO 1600. An der trotz hohem ISO-Wert langen Belichtungszeit lässt sich ablesen, dass es in der Dampflok ziemlich dunkel war. Selbst wenn außerhalb der Lok die Sonne hinter Wolken versteckt war, ergibt sich dennoch ein sehr hoher Motivkontrast, der an die Grenzen dessen geht, was ein Sensor verarbeiten kann, oder auch darüber hinaus.

Du hast das Bild als Porträt eines Dampflokführers im Gegenlicht zur Bildkritik eingereicht. Der durch die Gegenlichtsituation entstandene hohe Kontrast bewirkt, dass der durch das Fenster scheinende Hintergrund sehr hell und der Innenraum der Dampflok sehr dunkel ist. Der Faltenwurf auf Jacke und Hemd, die sich an der Grenze zwischen drinnen und draußen befinden, wird durch den hohen Kontrast sehr deutlich gezeichnet.

Gleichzeitig ist durch das Gegenlicht und den harten Kontrast vom Porträt beinahe nur noch die Silhouette des Kopfes zu sehen. Der größte Teil des Gesicht ist nahezu vollständig im Schwarz abgesoffen. Es wirkt wie ein Scherenschnitt, mit dem Unterschied, dass die meisten Scherenschnitte den Porträtierten im Profil zeigen. An Deinem Bild sieht man gut, warum das so ist: in der Frontalen geht sehr viel Information über die porträtierte Person verloren.

Ich stimme Dir zu, dass die Schwarzweißbearbeitung mit dem harten Kontrast von der Stimmung her sehr gut zum Motiv passt. Allerdings stört es mich, dass im Porträt das Gesicht des Dampflokführers im Schatten noch nicht einmal zu erahnen ist. Für ein Porträt wirkt das auf mich nicht so gut.

In solchen Fällen hat man früher, als Schwarzweißbilder in der Dunkelkammer hergestellt wurden, mit einem Stück Karton an einem Draht das Bild abgewedelt. So wurde das Licht des Vergrößerers zurückgehalten und damit die abgewedelte Stelle aufgehellt.

Den gleichen Trick kann man heute in der digitalen Bildbearbeitung anwenden, das Werkzeug heißt auch noch so wie in der Dunkelkammer.

Um das Gesicht wieder aus der Dunkelheit herauszuholen, habe ich es mit Gimp ein wenig abgewedelt. Nicht viel, aber dennoch genug,um hier lokal etwas Zeichnung im Schatten zu erreichen. Mit dem JPG geht das nicht ganz so toll; wenn Du aber die RAW-Daten zum Bild vorliegen hat, dann lässt sich das sicher noch etwas besser machen.

Alternativ könnte man den Kontrast etwas abschwächen, das wirkt sich dann jedoch auch auf die Stimmung des Bildes aus.

 

>> zur Orginalbildkritik

"Jeder weiß, daß die Marke der Schreibmaschine nichts mit der Fähigkeit zu tun hat, einen fesselnden Roman zu erschaffen, obwohl eine bessere Schreibmaschine das Tippen etwas angenehmer macht. Also warum glauben so viele anderweitig vernünftige Menschen, daß die Kamera, oder genaue Kenntnis über Verschlußzeiten, Objektivbau oder Kameratechnik irgendwas mit der Fähigkeit zu tun hat, ein interessantes Foto zu schaffen, und nicht damit, die Bequemlichkeit des Fotografen zu verbessern?“

Ken Rockwell

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