Bildkritik von Robert Kneschke

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"Eine Mischung aus längerer Belichtungszeit und Blitzlicht ermöglicht das Einfrieren von Bewegungen und ist vor allem in Kombination mit einem durchdachten Konzept ein sehr wirkungsvolles Stilmittel.
In meiner letzten Bildkritik wurde deutlich, wie wichtig ein Konzept vor dem Fotografieren ist, damit der Fotograf nicht auf Zufälle oder göttliche Eingebungen angewiesen ist.
Michael Calcada hat das bei seinem Foto augenscheinlich gemacht. Zu sehen ist ein Mann in Arbeitskleidung, der nach Feierabend mit einem Bier auf einem Sessel sitzt und begeistert Fußball im Fernsehen schaut:
Um die Bewegung des jubelnden Zuschauers einzufangen, bediente sich der Fotograf eines einfachen, aber dennoch sehr wirkungsvollen Mittels:

Einer Kombination aus Langzeitbelichtung (bzw. hier einer etwas längeren Belichtung als freihändig möglich) und Blitzlicht. Geblitzt wurde dabei am Ende der Bewegung, um den Bewegungsverlauf hinter der Person zu zeigen. Würde am Anfang der längeren Belichtung geblitzt, würde der Verlauf dem Motiv sozusagen vorauslaufen.
Passend wurden auch das männliche Model (mit Tätowierung) und die Requisiten gewählt: Helm, Bier und Unterhemd lassen das Klischee eines Bauarbeiters, der selbstverständlich nach der Arbeit Bundesliga schaut. Einzig die Vase mit der abgeschnittenen Blume wurde unglücklich auf dem Bildschirm platziert und passt nicht so richtig zur spannungsgeladenen Fußball-Atmosphäre.
Auch die Kontur des linken Bildrands des Fernsehgerätes hätte mit einem zweiten Spotlight besser herausgearbeitet werden können, damit diese nicht im Dunkeln mit der Wand verschwimmt.
Insgesamt aber ein überzeugendes Motiv, bei dem die Bildaussage schnell klar wird."

Die gesamte Kritik mit Kommentaren hier.

"Jeder weiß, daß die Marke der Schreibmaschine nichts mit der Fähigkeit zu tun hat, einen fesselnden Roman zu erschaffen, obwohl eine bessere Schreibmaschine das Tippen etwas angenehmer macht. Also warum glauben so viele anderweitig vernünftige Menschen, daß die Kamera, oder genaue Kenntnis über Verschlußzeiten, Objektivbau oder Kameratechnik irgendwas mit der Fähigkeit zu tun hat, ein interessantes Foto zu schaffen, und nicht damit, die Bequemlichkeit des Fotografen zu verbessern?“

Ken Rockwell

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© Michael Calcada, Springe